RYMHART Troyer Wollmützen von RYMHART

Medizinische Notfälle an Bord

Medizinische Notfälle gehören leider zu der "Schlacht des Lebens", deren Einschläge sicher schon bei jedem von uns das ein oder andere Mal erschreckend nah waren. Der knapp entgangene Autounfall, der verstauchte Knöchel am Bordstein und der gebrochene Arm des Sohnemannes als er von der Schaukel fiel. Dazu natürlich noch die Krankheiten, die zwar keine Notfälle sind, einem aber die Urlaubsfreuden schnell vermiesen können. Ist man zu Hause, im warmen Wohnzimmer oder im Bett ist dies alles zwar ärgerlich, aber man wird nicht vor schier unlösbare Probleme gestellt. Ein Arzt oder Krankenhaus ist jederzeit erreichbar, und bei akuten Notfällen kann man davon ausgehen, dass der alarmierte Rettungsdienst innerhalb weniger Minuten zur Hilfe kommt.

Beim Segeln ist dies leider grundsätzlich anders. Abgeschnitten von Land und Zufahrtswegen kann ein medizinischer Notfall auf einem Segelboot schnell in einer nautischen Katastrophe enden, wenn nicht im Vorhinein bei der Törnplanung gewisse Sachen beachtet worden sind. Daher sind hier nun einige Ratschläge von uns, die eventuell für medizinische Notfälle beim Segeln hilfreich sein können. Ganz gewappnet und auf alle Eventualitäten wird man allerdings natürlich nie eingestellt sein, daher erheben wir mit diesem Dossier auch gar nicht den Anspruch darauf. 

PRÄVENTION


Die sicherste Vorgehensweise um keine Probleme mit medizinischen Notfällen und Krankheiten an Bord zu bekommen ist natürlich die Prävention. Ernährung an Bord ist zwar nicht einfach und abwechslungsreich, aber die Einnahme von Vitaminpräparaten kann einer konzentrationsraubenden Erkältung vorbeugen. Dies ist insbesondere bei langen Segeltörns der Fall. Sollte es dennoch zu einem ersten Kratzen im Hals kommen, sind hier homöopatische Produkte wie "Calcium Ferrum Phosphoricum" sehr empfehlenswert und haben sich als sehr hilfreich erwiesen. Die kleine Flasche nimmt wenig Platz weg und reicht relativ lange. Segeln Sie hingegen in einem Segelrevier und laufen Sie jeden Abend einen anderen Yachthafen an empfiehlt sich natürlich auch der Kauf von frischem Obst. 

AUSBILDUNG


Nun kann es aber auch zu Unfällen oder akuten Krankheitsbildern kommen, wenn sie längere Zeit auf See segeln. Daher ist es dringend ratsam, dass sich ein oder zwei Mitglieder der Crew im Vorhinein des Segeltörns darauf spezialisieren und "die Männer für medizinische Notfälle" an Bord werden. Dies ist schon mit der Belegung eines 1. Hilfe- Kurses beim DRK oder ähnlichen Organisationen getan. Die Teilnahme ist relativ billig und dauert ca. 1 Wochenende. Denken Sie einmal zurück, wann Sie den letzten Kurs hatten? Hoffentlich nicht der Ersthelferkurs zum Führerschein :-) (Der nebenbei KEIN 1. Hilfe-Kurs ist!) Beim Blauwassersegeln und Ozeanüberquerungen empfiehlt sich hingegen eine ausgeprägtere medizinische Grundausbildung, die auch die Diagnostik von Krankheitsbildern beinhaltet. Die Sanitätsausbildung des DRK wäre beispielsweise eine Art davon. Der Nachteil ist die relativ lange Dauer, doch wird dank Ihrer Hilfe ein Leben oder die Sicherheit der Yacht gewährleistet (Wenn der einzige Segelscheininhaber verunglückt oder krank ist), hat sich die Mühe schon gelohnt.

AUSRÜSTUNG


Neben der fundierten Ausbildung sollte auch ein umfangreiches basismedizinisches Equipment an Bord sein. Der normale KFZ-Verbandskasten reicht insbesondere bei langen Segeltörns nicht aus, da beispielsweise Brüche und Verstauchungen bzw. Verrenkungen nicht damit behandelt werden können. Hier ist eine Auflistung des Inhalts eines Verbandspakets, das so im Handel (bsplw. bei ebay) erhältlich ist und, bei fundierter Ausbildung, für viele medizinische Notfälle reaktionsfähig macht:

 

Für die Beatmung:
- 1 PVC-Beatmungsbeutel für Erwachsene
- 1 Beatmungsmaske in der Größe 3 (Einwegprodukt)
- 1 Beatmungsmaske in der Größe 5 (Einwegprodukt)
- je 1 Güdeltubus in der Größe 1, 2, 3 und 4                
- 1 Blockerspritze


Für die Diagnose von Krankheitsbildern:
- 1 Blutdruckmeßgerät
- 1 Stethoskop
- 1 Fieberthermometer
- 1 Blutzuckermeßgerät
- 1 Pulsoxymeter


Für die Ruhigstellung gebrochener oder verrenkter Körperteile:

- 1 Splintschiene
- 1 Halskrause für Erwachsene


Für die kleinere und stärkeren Blessuren:
-  Heftpflaster Spule starr (2,5 cm x 5 m)
-  Wundpflaster elastisch (10 cm x 6 cm)
-  Verbandpäckchen mittel (8 cm x 10 cm)
-  Verbandpäckchen groß (10 cm x 12 cm)
-  Verbandtücher klein (40 x 60 cm)
-  Verbandtuch mittel (60 x 80 cm)
-  Wundkompressen (10 cm x 10 cm)
-  Fixierbinden elastisch (6 cm x 4 m)
-  Fixierbinden elastisch (8 cm x 4 m)
-  Dreiecktücher weiß
-  Einmalhandschuhe groß
-  Rettungsdecken silber/gold 210 cm x 160 cm
-  Erste-Hilfe-Schere klein
-  Broschüre "Sofortmaßnahmen"


Der Krimskrams der gerne mal vergessen wird:
- 1 Kleiderschere

NOTRUF


Vergessen Sie vor lauter Panik allerdings nicht, einen Seenotruf abzusetzen! Auch der hierfür verantwortliche sollte im Vorhinein des Törns bestimmt werden!