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Seekrankheit

Fast hat man den Eindruck, dass man nicht über seinen Segeltörn berichten kann, ohne von mindestens einem der bewundernden Zuhörer in den Heldenstatus erhoben zu werden. Wie man das denn meistern könne, diese Verantwortung, dieses klare Denken, gerade wenn die Wellen sowieso schon so hoch schlagen,… und wenn es dann erst einmal noch zum Sturm gekommen ist, da muss man ja faktisch vor Übelkeit und Seekrankheit handlungsunfähig in den Seilen hängen. Zumindest Ihnen würde das so gehen. Leider haben viele Leute, die sich selbst so unterschätzen noch nie auf einem Schiff gestanden und kennen Seekrankheit ebenfalls nur aus Erzählungen. Im authentischsten Fall haben Sie die Seekrankheit zwar ein Mal erfahren, sind seitdem aber aus Angst vor der Übelkeit auf kein Segelboot mehr gestiegen, in der Annahme, dass man ja "seekrank" sei. In diesem Artikel befassen wir uns also mit unseren persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Seekrankheit und versuchen in wenigen Worten den Schrecken aus dieser Krankheit rauszunehmen, so dass alle Menschen die Lust am Segeln und an der Schifffahrt für sich entdecken.

So ist eine der wichtigsten Erkenntnisse in unseren Augen, dass die Seekrankheit nichts personenspezifisches ist. Wie in allen anderen Bereichen des Körpers gibt es zwar auch hier Menschen, die anfälliger für die auslösenden Faktoren sind als ihre Mitsegler, aber generell kann es jeden auf dem Segeltörn "erwischen". - Oder eben nicht. Denn ein einmaliges Auftreten der Seekrankheit auf einem früheren Segeltörn muss nicht zwangsläufig die "Wiederkehr" der Symptome bei anderen Segeltörns bedeuten. Leider ist es allerdings auch umgekehrt der Fall, so dass man des Öfteren von alten und erfahrenen Seglern hört, die mit einem Mal nach einer 25- jährigen Segelkarriere ihre ersten Erfahrungen mit der Seekrankheit machen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist in unseren Augen ebenfalls, dass die Seekrankheit auch nichts situationsspezifisches ist. Ein starker Wellengang erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit, aber er muss nicht zwangsläufig zu der Symptomatik der Seekrankheit führen. Die Bezeichnung Seekrankheit ist auch eigentlich nicht voll und ganz korrekt, denn die Symptome treten nicht nur beim Segeln oder Motorbootfahren auf dem Meer auf. Bedenken Sie die vielen, vielen Leute denen auf langen Bus- und Zugfahrten übel wird, oder die die Spuktüte im Flugzeug schon vor dem Abheben zwei Mal wechseln mussten. Die Bezeichnung "Reisekrankheit" ist also treffender als die Bezeichnung "Seekrankheit" und wird oft als Synonym verwendet.

Ursachen


Wie entsteht die Seekrankheit aber eigentlich? Eine der Hauptursachen ist die missgedeutete Kommunikation zwischen den Sinnesorganen, die dem Hirn widersprüchliche Informationen senden. Das Gesehene spiegelt nicht das Gefühlte wider. Der Lageeindruck und der Sehsinn widersprechen sich über einen längeren Zeitraum. Hierdurch kommt es zu einem Fehlersignal im Hirnstamm, der ursächlich für die Symptomatik der Seekrankheit ist.

Wie kann man nun mit der Seekrankheit umgehen, wenn man die ersten Symptome bemerkt? Diese Frage haben wir uns gestellt um vielen Leuten das Segeln so angenehm wie möglich zu machen. Die Antwort die wir gefunden haben, und der Rat den wir Ihnen mit auf den Weg geben möchten sind so einfach wie genial. Wir möchten ihn fast "psychologisch" nennen :-) Sind Sie erst einmal auf einem Segelboot, und haben unsere Punkte zur Vorbeugung, auf die wir weiter unten eingehen werden berücksichtigt, dann können Sie weder den Seegang noch die Symptome bekämpfen. Lassen Sie daher alles auf sich wirken und kämpfen Sie nicht dagegen an. Versuchen Sie "die Wellen zu nehmen", mit ihren Bewegungen eins zu werden und verscheuchen Sie die Gedanken, die in die Richtung gehen "oh Gott da kommt wieder so ein dicker Brocken". Auch wenn sie das Rumpeln im Magen bemerken: Kämpfen Sie nicht dagegen an, machen Sie sich nicht verrückt („Oh Gott, es kommt – nein doch nicht!...“) sondern halten Sie sich einfach die fünf Wörter vor Augen, die in vielen Situationen viele Probleme aus dem Leben nehmen können: "Es ist halt einfach so!". Gehen Sie abgeklärt und in Frieden zur Reling, und Sie werden sehen, innerhalb kürzester Zeit ist die Seekrankheit ausgestanden und sie können den Segeltörn genießen – ohne sich zu übergeben! :-)

Planen Sie einen längeren Törn und wollen Blauwassersegeln, dann lassen Sie sich nicht durch die Seekrankheit beunruhigen. Der temporäre Horizont der Seekrankheit ist im Regelfall auf wenige Tage (2-3) begrenzt. Die können einen zwar ziemlich fertig machen, aber halten Sie sich trotz allem vor Augen, das die Symptome in Kürze nachlassen werden!

Symptome


Die Symptome der Seekrankheit sind vielfältig und reichen vom Magengrummeln, über Blässe bis hin zu Schläfrigkeit. Kopfschmerzen, Schwindel, Lethargie usw. kann ebenfalls auftreten. Diese Symptome sind die, die am häufigsten vorkommen. In seltenen Ausnahmefällen können die betroffenen Personen auch depressiv werden und zum Todeswunsch führen. Auch bei Seglern mit Herz-Kreislauf-Problemen kann Seekrankheit zu einer letalen Bedrohung werden, auch dies ist allerdings der Ausnahmefall!

Behandlung und Vorbeugung


Am hilfreichsten ist es der Dinge zu harren, wenn das Frühstück erstmal in Wallung gerät. Bevor es soweit kommt ist es allerdings ratsam sich hinzulegen und die Augen zu schließen, oder den Blick auf die Weite des Horizonts zu richten. Sie sehen, oft wirkt dies wunder.

Einen weiteren Punkt den man sich zu nutzen machen sollte, ist die Wirkung von Ingwer, die Übelkeit und Erbrechen unterbindet (antiemetisch). Dünne, von einer Knolle abgeschnittene Scheiben, können während des Segelns gekaut werden, mit der Ingwerkur kann sogar schon im Vorfeld des Törns (Ein Tag vor dem Auslaufen ist früh genug) angefangen werden.