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Die Passat

Ein Windjammer wie er im Buche steht ist die Passat, eine Bark mit vier Masten, die einst ein Frachtsegelschiff war, mittlerweile aber als Museumsschiff im Hafen von Travemünde liegt, unter Denkmalschutz steht und das Wahrzeichen der Stadt darstellt.

Die Geschichte der Passat

Nachdem die Preußen, ein Fünfmaster der Reederei F. Laeisz, wegen einer Kollision mit einem Dampfschiff auf den Klippen von Dover aufgelaufen war und auch nicht mehr geborgen, werden konnte, beauftragte die Reederei die Werft Blohm und Voss mit dem Bau der Passat, wobei der Name vom Passatwind abgeleitet wird. Insgesamt gab es acht baugleiche oder zumindest ähnliche Schwesterschiffe, die alle mit „P“ anfingen, darunter auch die Pamir und die Padua, die mittlerweile unter dem Namen Krusenstern bekannt ist.

Die Bark lief am 20. September 1911 vom Stapel, der Preis betrug 680.000 Goldmark. Ihr Jungfernfahrt trat sie am 24. Dezember 1911 mit J. Wendler als Kapitän an. Die Route lief von Hamburg über das Kap Hoorn bis nach Chile. Die Passat zeichnete sich durch hervorragende Segeleigenschaften aus und war aufgrund ihrer Geschwindigkeit sogar mit Dampfschiffen konkurrenzfähig.

Den ersten Weltkrieg „überwinterte“ das Segelschiff in Chile und kehrte erst drei Jahre nach Kriegsende nach Europa zurück. Allerdings blieb sie nicht in deutscher Hand, sondern wurde als Kriegsentschädigung an Frankreich abgetreten. Da Frankreich jedoch nicht viel mit der Bark anfangen konnte, wittere die Reederei Laeisz ihre Chance und kaufte sie unter Zahlung von 13.000 Pfund zurück. Mitte der 1920er Jahre baute sie den Viermaster zu einem Schulschiff um. Im August 1928 kollidierte sie mit der Daphne, einem französischen Dampfschiff, welches daraufhin mitsamt seiner Ladung sank. Die Besatzung konnte zuvor jedoch noch auf die Passat gerettet werden.

Auch das Segelschiff kam nicht ohne Blessuren davon, so dass sie zunächst in Rotterdam repariert werden musste, ehe sie im September des gleichen Jahres wie geplant weiter nach Chile segeln konnte. Doch das Glück war dem Schiff auch weiterhin nicht hold. So gab es im Juni 1929 eine weitere Kollision, erneut mit einem Dampfschiff und mit einer weiteren Reparatur in Rotterdam.

Die Passat war viele Jahre lang für Salpeterfahrten eingesetzt worden, was sich aber im Laufe der technischen Weiterentwicklung zur Herstellung von Salpeter nicht mehr rechnete. Daraufhin verkaufte die Reederei ihr einst von den Franzosen zurückerworbene Bark an Gustaf Erikson, einen finnischen Reeder. Dieser ließ sie insgesamt sieben Mal nach Australien segeln, wobei sie es ganze drei Mal schaffte, die sogenannte Weizenregatta – eine inoffizielle Regatta von großen Frachtseglern - für sich zu entscheiden.

Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges ankerte die Passat zunächst fünf Jahre in ihrem Heimathafen, bis sie 1944 nach Stockholm geschleppt wurde und dort als Getreidespeicher diente. Nach Eriksons Tod im Jahr 1947 chartete die britische Regierung die Passat, ebenso wie ihr berühmtes Schwesterschiff, die Pamir. Nachdem beide Schiffe 1951 bereits in die Hände von belgischen Abwrackern gefallen waren, nahmen sich ein Kapitän namens Helmut Gruppe und der Reeder Heinz Schliewen der Schwestern an und überführten sie nach Kiel.

Da die Passat wieder als Schulschiff genutzt werden sollte, wurde sie etwas umgebaut, um den Sicherheitsstandards zu genügen. Desweiteren erhielt sie einen Hilfsmotor. 1952 trat sie ihre erste Fahrt als Segelschulschiff unter deutscher Flagge nach Südamerika an. Als jedoch ein Jahr später Schliewens Reederei Konkurs anmeldete ging es für den Viermaster nach Travemünde, wo sie 1954 von der „Stiftung Pamir und Passat“ übernommen wurde. Obwohl es dadurch ermöglicht wurde, dass die beiden Schwesterschiffe weiterhin zwischen Europa und Südamerika segeln konnten, schlug das Unglück einmal mehr und diesmal mit voller Wucht zu.

Zunächst geriet die Pamir 1957 in den Hurrikan „Carrie“ und sank, wobei sie fast ihre gesamte Besatzung mit in den Tod riss. Ganz so schlimm erging es der Passat zwar nicht, jedoch wurde auch sie im November des gleichen Jahres von einem Orkan heimgesucht, dessen starker Wind dafür sorgte, dass ihre Gerstenladung verrutschte. Während ähnliche Begebenheiten mitursächlich für das tragische Schicksal der Pamir gewesen waren, flutete die Crew der Passat die Tieftanks auf der Steuerbordseite, um das Schiff so zu stabilisieren. Die Bark hatte zwar mit 50-55° starke Schlagseite, schaffte es aber am 8. November, im Hafen von Lissabon einzulaufen, wo die Gerste umgeladen wurde und der Viermaster sich auf den Weg nach Hamburg machte.

Nach all den Beinahe-Unglücken, die das Segelschiff überstanden hatte, wurde es dort ausgemustert. Schon wieder schwebte das Damoklesschwert des Abwrackens über ihm, doch noch einmal hatte das Schicksal ein Einsehen, diesmal in Form der Hansestadt Lübeck. Diese kaufte die Bark für 315.000 DM und gewährte ihr die wohlverdiente Rente. So liegt sie seitdem am Priwallufer in Travemünde, wo sie zuerst als Schulstätte für die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule und in den Jahren darauf für viele verschiedene Dinge genutzt wurde. So war sie teilweise ein Museum, dann wieder eine Jugendherberge, bis sie 1978 schließlich unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1979 wurde der Verein „Rettet die Passat e.V.“ gegründet, der sich um den Erhalt des Schiffes kümmert.

Nachdem die Passat zwischen 1997 und 1998 noch einmal unter großem Aufwand instandgesetzt wurde, dient sie als Museumsschiff. Im Sommer wird sie immer noch als Jugendherberge genutzt, desweiteren ist es möglich, den Bund der Ehe auf den altehrwürdigen Planken einzugehen. Da der Rumpf der Bark keinen Wellen auf offener See mehr standhalten könnte, also nicht mehr fahrtüchtig ist, wurde der Verein „Passatwind e.V.“ gegründet, der dem Wunsch vieler Lübecker dienen soll, die Passat wieder als Segelschiff einzusetzen. Jedoch wurden entsprechende Bemühungen von der Stadt Lübeck immer abgelehnt, weshalb der Verein den Bau einer Dreimastbark anstrebt, die den Namen Passatwind tragen soll.

Die Passat ist eine von drei der ursprünglichen acht Schwesterschiffen, die noch erhalten geblieben sind. Eins der drei anderen, die Peking liegt in New York, die Krusenstern ist unter russischer Flagge noch immer auf den Weltmeeren unterwegs.

Aufbau und Technik

Bei der Passat handelt es sich um eine Stahlbark mit vier Masten, die von der Werft Blohm & Voss in Hamburg gebaut wurde und mit einer 35 Mann starken Crew besetzt ist. In der Länge kommt sie auf 105,4 m, die Breite beträgt 14,4 m. Der Tiefgang erreicht maximal 7,24 m. Der Windjammer hat eine Verdrängung von 6.280 t.

Die Masten sind mit insgesamt 34 Segeln ausgestattet, sodass die Segelfläche stolze 4.000 qm erreicht. Bei entsprechendem Trimm kann die Bark bis zu 17.4 Knoten schaffen. Natürlich ist sie trotzdem mit einem Hilfsdiesel bestückt, der ursprünglich von einem U–Boot stammt.

Fazit

Die Stahlbark hat im Laufe ihres mittlerweile über hundertjährigen Lebens viel mitgemacht. Mehrere Male entging sie nur knapp einem traurigen Schicksal – entweder dem Abwracken oder gar dem Untergang – wurde aber immer wieder gerettet, weshalb sie heute – auf gewisse Weise stellvertretend für all ihre Schwestern – in Travemünde zu bestaunen ist. Und das lohnt sich. Wer das Flair eines echten Windjammers einmal aus der Nähe erleben will sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen und sich die Zeit nehmen, das historische Schiff zu besichtigen.