Amerigo Vespucci wurde am 9. März 1451 in der italienischen Stadt Florenz als drittes Kind einer Kaufmannsfamilie geboren. Berühmt wurde er allerdings nicht als Kaufmann, sondern als Seefahrer und Navigator.
Sein Ausstieg begann als Handelsagent in den Diensten Lorenzo de Medicis, der zu der erfolgreichsten Bankiersfamilie Venedigs gehörte. Eben dieser Lorenzo verhalf Vespucci schon bald zu einer Arbeit in Spanien, genauer gesagt in Sevilla, die in der Ausrüstung von Schiffen bestand. In Sevilla kam es auch zu einem Treffen zwischen Vespucci und Kolumbus, der dort ein Schiff für seine Reisen ausrüsten ließ. Durch dieses Treffen wurde Vespuccis Faszination für Seefahrten geweckt. Nach dem Tod des damaligen Leiters des Büros, Giannotto Berardi, übernahm Vespucci diesen Posten und bekam schon bald selbst die Gelegenheit, Seefahrten zu unternehmen.
Vespuccis Fahrten
Im Auftrag Spaniens trat Vespucci seine erste Reise im Jahr 1499 an, sein Kartograph war Juan de la Cosa. Es galt, die Nordküste Südamerikas zu untersuchen, was auch gelang: Im Juli desselben Jahres konnte Vespucci als erster Europäer die Mündung des Amazonas in den Atlantik erreichen und gilt seitdem als Entdecker Brasiliens. Er segelte aber auf einer zweiten Reise kurze Zeit später noch weiter nach Süden, wo er zum Kap St. Augustine gelangen konnte. Das war erst einmal seine letzte Station, denn im Jahr 1500 lief er wieder in Spanien ein.
Im Mai des Jahres 1501 sollte seine 3. Seefahrt beginnen, dieses Mal jedoch war die portugiesische Krone der Auftrag- und Geldgeber. Das Ziel war ein erneut die brasilianische Küste, die Vespucci nach eigenen Angaben bis zum 52. Grad südlicher Breite erforscht haben will.
Die Informationen über Vespuccis Reisen entstammen vor allem den Briefen, die er an seinen früheren Arbeitgeber Lorenzo de Medici geschrieben hat. Da diese Briefe aber reich an erzählenden Formulierungen sind und keinesfalls als sachlich bezeichnet werden können, gab es in der Vergangenheit Zweifel an deren Authentizität. So berichtet Vespucci von Frauen, die ganz anders als europäische seien, und dass er sehr nahe an einem Paradies sein müsse, falls ein solches existiere. Nach eigenen Angaben hat Vespucci 4 Reisen unternommen, 3 von ihnen sind auch in anderen historischen Quellen belegt.
Bedeutung der Entdeckungen
Vespucci war es, anders als Kolumbus, bewusst, dass es sich bei den neu entdeckten Fahrtrouten nicht um neue Wege nach Indien handelte, sondern sie vielmehr zu einem neuen Kontinent führten. Durch diese Erkenntnisse fasziniert, brach er zu immer neuen Entdeckungsfahrten auf, um möglichst genaue Kenntnisse von der "Neuen Welt" zu bekommen. Seine sehr detaillierten Beschreibungen des neuen Gebietes dienten dem Kartographen Martin Waldseemüller als Quellen für seine Karten, sodass dieser den neuen Kontinent nach Vespuccis Vornamen "Amerika" taufte.
Viele Schifffahrer der damaligen Zeit nutzten Waldseemüllers Karten und kamen immer an ihr Ziel. Das legt den Schluss nahe, dass die später von Kritikern angemahnten falschen Positionsangaben wohl eher auf Übersetzungsfehlern als falschen Angaben Vespuccis beruhen.
Zu Vespuccis Lebzeiten bestanden keine Zweifel an der Authentizität seiner Briefe, sodass ihm bis zu seinem Tod am 22. Februar 1512 in Sevilla höchste Anerkennung entgegengebracht wurde.