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Die Vitalienbrüder um Klaus Störtebecker

Entgegen dem romantischen Piratenmythos, der insbesondere durch Verfilmung von Walt Disney's "Fluch der Karibik" mit seinem beinah schon legendär schusseligem Captain Jack Sparrow genährt wurde, gab es die Freibeuter der Meere nicht nur in der sonnendurchfluteten Karibik.
Auch in den Gewässern und Meeren in unseren Breiten herrschten lange Zeit Piraten. Und dies zu einem Zeitpunkt lange bevor die Piraterie in der Karibik entstand, ja sogar noch lange bevor Amerika und die Karibik überhaupt entdeckt wurden. Wir reden nämlich von einer Zeit, die mittlerweile schon fast 700 Jahre zurückliegt: Dem 14. Jahrhundert!
Die Seeräuber, die es schafften zu besonderer Berühmtheit zu kommen, waren die sogenannten Vitalienbrüder, deren Anführer Klaus Störtebecker und Godeke Michels sogar noch in der heutigen Zeit absolute Berühmtheiten sind, die von nahezu jedermann gekannt werden. Ihr Name leitet sich von dem Wort Viktualien ("Lebensmittel") ab. Zugegeben, dieser Name ist wirklich in keinster Weise furchterregend, aber trotz allem war er zu der damaligen Zeit sehr gefürchtet.

Wie entstand der Name

Um dies zurückverfolgen zu können muss man sich zuerst mit der damaligen politischen Situation befassen. Im 14. Jahrhundert lagen die beiden Königreiche Schweden (unter König Albrecht von Schweden) und Dänemark (unter Königin Margarethe von Dänemark) im Krieg, in dessen Verlauf die Vitalienbrüder als eine gängige und legale Söldnertruppe aktiv waren. Im Jahre 1389 jedoch gab es eine entscheidende Kriegswendung zugunsten Dänemarks, als es den Dänischen Truppen gelang, den Schwedischen König gefangen zu nehmen. Die restlichen Schwedischen Truppen die dem König treu waren fanden ihre einzige Zuflucht in ihrer Hauptstadt Stockholm. Der Vater von Albrecht war zu dieser Zeit Herzog von Mecklenburg und rief, bedrängt von diesen Tatsachen, seine Landsleute auf den eingeschlossenen Stockholmern zu Hilfe zu eilen. Die Vitalienbrüder folgten dem Ruf und versorgten so die Eingeschlossenen mit Waffen und  Lebensmitteln (also Viktualien). Hierdurch machten sie sich einen Namen als Viktualienbrüder, der vom Volksmund später auf Vitalienbrüder verkürzt wurde. Von diesen Erfolgen erstarkt schafften sie es später sogar die Dänische Festung Wisby auf der Insel Gotland einzunehmen, dem Ursprungsort ihrer späteren Kaperfahrten

Aber Söldner sind noch keine Seeräuber

Stimmt! Aber bei den Vitalienbrüdern kann man klare Parallelen zu der Entwicklungsgeschichte Blackbeards erkennen. Stockholm fiel letztendlich doch. Die Hilfe hat nichts gebracht, Stockholm musste kapitulieren und es wurde nach langem Krieg endlich Frieden geschlossen. Da die Vitalienbrüder aber nun kampfeserprobt waren und sich durch das Kapern von Handelskoggen ein recht beachtliches Vermögen anhäufen ließ, setzen die Vitalienbrüder ihren eigenen Kaperkrieg fort und waren dabei nicht gerade zimperlich. Fallen, ergeben oder über Bord werfen und ertrinken waren die Optionen ihrer Gegner, so dass die Handelsschiffe sich gemüßigt sahen schwer bewaffnete Männer zur Verteidigung mitzunehmen. Alles in allem entfachte die Piraterie auf der Nord- und Ostsee rund um die Vitalienbrüder ein ökonomisches Fiasko. Der Heringspreis verteuerte teilweise um das Zehnfache, die Bedeutung für die Bewohner der Anrainerstaaten kann sich also leicht vor Augen gehalten werden.

Der Untergang der Bruderschaft und der Aufstieg von Klaus Störtebecker und Godeke Michels

Da diese Zustände unhaltbar waren, und die Hanseverbündeten Städte zu keinem Konsens über Gegenmaßnahmen kamen, entschied sich Konrad von Jungingen, Hochmeister des deutschen Ritterordens, dazu, den Piraten Einhalt zu gebieten. Er entwickelte einen Geheimplan, wie Gotland durch eine militärische Invasion eingenommen werden könnte, und die Piraten somit vernichtet oder vertrieben werden könnten. Als strategisches Glanzstück hatte dieser Plan einen durchschlagenden Erfolg. Am 21. März 1398 landete das Ordensheer auf der Insel und brauchte keine drei Wochen um die Bruderschaft der Vitalienbrüder zur Kapitulation zu zwingen, die daraufhin zerbrach. Es bildeten sich vier Hauptgruppen, von denen eine nach Nordschweden zog, eine nach Südwestfinnland, eine nach Bornholm und eine an die ostfriesische Küste, einem Seegebiet, das auch früher schon einmal "Arbeitsplatz" der Piraten war. Diese Gruppe stand unter dem Kommando von Klaus Störtebecker und Godeke Michels. Doch obwohl dieses Revier den Piraten früher schutzlos ausgeliefert war, mussten Störtebecker und Michels feststellen, das der Wind für sie in der Zwischenzeit rauer geworden ist. Als die ersten Kaperzüge nach der Niederlassung anfingen kam der Lübecker Hansetag doch zu einem Konsens und entschied sich für drastische Gegenmaßnahmen. Sie schickten ihre Fredekoggen (Kriegsschiffe) an die ostfriesische Küste und suchten akribische in jeder Ecke dieses Landstrichs nach den  Piraten. Eingeschüchtert durch die Rigorosität dieser Aktion, viele Piraten wurden dabei nämlich hingerichtet, ergriffen viele der Ostfriesen Partei für die Hanse und beteiligten sich an der Piratenjagd.

Störtebeckers Ende

1401 fand die Karriere von Klaus Störtebecker und Godeke Michels jedoch ein endgültiges Ende. Nachdem sie zwischenzeitlich die Flucht nach Helgoland schafften, fielen sie auf eine Finte der Hamburger rein. Diese tarnten ihre gerade gebaute Fredekogge "Bunte Kuh", das Leitschiff einer ganzen Flottille wurde die sie ebenfalls tarnten, als  Handelsschiff und kreuzten mit der vermeintlichen Handelsflotte vor Helgoland. Störtebecker fiel auf den Trick rein und versuchte die Schiffe zu entern. Der kurze Kampf war aussichtslos für Störtebecker und seine Leute. Viele fielen, noch mehr wurden gefangen genommen. Unter ihnen Störtebecker der, nachdem ihm ein fairer Prozess gemacht wurde, am 20. Oktober 1401 enthauptet wurde. Etwas später wurde auch Michels gefasst und ebenfalls hingerichtet. Um für Sympathisanten abschreckend zu wirken, nagelte man die Häupter der geköpften Piraten auf Pfähle und stellte sie so auf, dass sie von möglichst vielen Seefahrern gesehen werden konnten.
Trotz dieser Erfolge für die Hanse wurden noch 87 Jahre später die letzten Vitalienbrüder verfolgt.