Hubert Raudaschl wurde 1942 im österreichischen St. Gilgen geboren. Auf dem nahe gelegenen Wolfgangsee begann er schon in frühester Kindheit mit dem Segeln. Bereits im Alter von acht Jahren nahm er an seiner ersten Regatta teil- und viele weitere sollten folgen. Wohl kaum ein anderer Segler hat so viele internationale Wettkämpfe bestritten wie Raudaschl. Zwischen 1960 und 1996 nahm er an zehn Olympischen Spielen in Folge teil, zudem war er bei mehr als 80 Welt- und Europameisterschaften am Start.
Zahlreiche Internationale Erfolge
Die ersten internationalen Wettbewerbe bestritt Raudaschl in einer Einmannjolle. 1964 gewann er im Finne-Goldcup seinen ersten Weltmeisterschaftstitel. In den folgenden Jahrzehnten verlagerte er seine seglerischen Auftritte häufiger auf den Star; insgesamt blieb er aber vielseitig und feierte seine Erfolge in den unterschiedlichsten Bootsklassen. Es folgten, neben einem weiteren Gewinn der Weltmeisterschaft im Minitonner 1978, 16 andere Titel bei internationalen Großereignissen sowie 22 Erfolge bei nationalen Segelmeisterschaften.
Vom Rom bis Atlanta: Rekord-Olympionike für die Ewigkeit
Außer Raudaschl ist es noch keinem Sportler gelungen, an zehn Olympischen Spielen teilzunehmen. So war er zwar 1960 im Alter von 18 Jahren nur als Ersatzmann für Star und Finn dabei, doch schon vier Jahre später in Tokio ersegelte er im Finn-Dinghi einen hervorragenden fünften Platz. In der gleichen Bootsklasse gewann er 1968 in Mexiko die Silbermedaille. Diesen Erfolg konnte Raudaschl 1980 in Moskau, dieses mal im Star gemeinsam mit dem Vorschoter Karl Ferstl, wiederholen. Hier hatte er nach der dritten Wettfahrt bereits den Sieg vor Augen, doch eine strittige Juryentscheidung kostete letztendlich den Gesamtsieg. Beinahe wäre es in Sydney 2000 zu einer weiteren Olympiateilnahme gekommen, Raudaschl scheiterte allerdings in der Qualifikation. Seine Bedeutung für den österreichischen Sport findet unter anderem auch darin Ausdruck, dass ihm insgesamt fünfmal die Ehre zuteil wurde, als Fahnenträger sein Land bei Olympischen Spielen zu repräsentieren.
Bootsbauer und Segelmacher
Raudaschls Erfolge lassen sich einerseits sicher auf seinen sportlichen Ehrgeiz zurückführen. Ebenso zum Vorteil gereichte ihm aber auch sein taktisches und vor allem technisches Know-How, das er durch seine Ausbildungen zum Schiffszimmermann und Bootsbaumeister erwerben konnte. Dieses Wissen nutzte er für weitere erfolgreiche Karrieren als Bootskonstrukteur sowie als Segelproduzent.
Schon in den 70er Jahren entwickelte er gemeinsam mit dem Seglerkollegen Uwe Mares die Gleitjolle Jeton, die aufgrund ihres durchschlagenden Erfolges bald eine eigene Regattaklasse begründete. Auch diverse andere von Raudaschl entworfene Bootstypen sind heutzutage auf den internationalen Gewässern anzutreffen.
Ebenso konnte er sich mit der Herstellung von Segeln einen Namen machen. Die Leitung seiner Firma hat Hubert Raudaschl inzwischen in die Hände seines Sohnes gelegt.