Einer der Namen, die in der Gilde berühmter Seeräuber nicht fehlen dürfen, ist Sir Francis Drake. Drake wurde 1540 in der Umgebung von Plymouth geboren und ist somit gebürtiger Engländer. Seine Streifzüge, die vornehmlich gegen die Spanier gerichtet waren, erfuhren ihren Anfang allerdings nicht in den Europäischen Gewäassern sondern in der Karibik, in der er fast in den Spaniern sein Schicksal gefunden hätte. Dazu kam es, als Drake seinen Cousin in die Karibik und den Golf von Mexiko begleitete, wo sie von den Spaniern, die seinerzeit erhebliche Probleme mit Seeräubern hatten, in einen Hinterhalt gelockt und versenkt wurden. Die Schiffe waren futsch, das Leben der beiden beinahe ebenfalls, und der Hass Drakes auf die Spanier war geboren. Trotz dieser schlechten Erfahrungen zog es Drake immer wieder zurück in die Karibik. Im Alter von 30 Jahren führte er seine Erkundungstouren durch die Karibische See fort, in deren Verlauf er den Spaniern entlaufene Sklaven kennenlernte und Kontakte zu ihnen herstellte. Diese Sklaven hießen Cimmarones. Sie können sich vorstellen, dass Leute, die nahezu ihr Leben lang fernab jeglicher Menschenwürde als Sklaven missbraucht wurden, einen ungeheuren Hass auf ihre Peiniger entwickeln. Dieser Hass veranlasste sie dazu, allen zu helfen, die den Spaniern schadeten. Und sei es nur durch die Beschaffung und Bereitstellung von Informationen „die Gold wert gewesen sind“. Anhand dieser Informationen entwarf Francis Drake einen Plan, der ihn 1572 zum Helden der gesamten englischen Nation machen sollte. Als Francis Drake zurück in England war besorgte er sich mit Hilfe mehrerer Partner eine kleine Flotte, die zwei Schiffe mit insgesamt knapp über 70 Mann Besatzung umfasste und segelt innerhalb von 3,5 Wochen über den Atlantik, wo er zuerst versuchte die Stadt Nombre de Dios im heutigen Nicaragua zu überfallen. Auch Volkshelden sind jedoch nicht unfehlbar, so dass dieser Plan scheiterte. Doch da dies nicht der eigentliche Plan war, mit dem er in die Analen eingehen sollte, war er zu dem Zeitpunkt auch noch kein Volksheld :-) Der fehlgeschlagene Raubzug hatte dem Ansehen seiner zweifelsohne ruhmreichen aber zweifelhaften Karriere also noch nicht schaden können. Durch den Fehlschlag nicht entmutigt fokussierte sich Francis Drake nun also ausnahmslos auf die Durchführung seiner wagemutigen Idee. Diese Idee bestand darin, eine Schatzkarawane der Spanier auf der Landenge von Panama zu überfallen. Doch auch hier hatte Francis Drake zunächst das Pech am Schuh kleben. Auch sein so sorgfältiger wie wagemutiger Plan schlug erst einmal fehl. Einige wache Augen der Spanier hatten Drake und seine Leute gesehen, als sie sich in ihrem geplanten Hinterhalt verschanzten. Dementsprechend gab es erst einmal Blei statt Gold. Die Spanier schickten strategisch schlau nämlich nicht die Karawane mit den Edelgütern sondern ihre Soldaten, die die Seeräuber ersteinmal verjagen konnten. Doch auch nach seinem zweiten Sieglosen Kaperversuch in Folge blieb Drake uneingeschüchtert, so dass er erneut aufbrach um der Karawane aufzulauern. Lassen Sie sich so viel gesagt sein, dass die Spanier von so wenig Skrupel und so viel Schneid überrascht waren! Die Piraten wurden dieses mal nicht gesehen, dementsprechend wurden auch keine Soldaten geschickt, sondern die Karawane lief ihrem Schicksal entgegen. Über 100 Tiere die, mit so vielen Edelmetallen beladen waren wie sie tragen konnten, durch den Dschungel Panamas trabten, liefen direkt in Francis Drakes Arme. Dieser wiederum lief daraufhin direkt zu seinen Schiffen und segelte, so schnell der Wind es in den Segeln zuließ, über den Atlantik zurück nach England wo er die schon oft gesehene Karriere vom Piraten zum Sonderbeauftragten Ihrer Majestät in einem Schritt durchlief. Der Zorn Philipp des Zweiten kratzte die Queen nicht im Entferntesten und so unterstützte sie Francis Drake bei der Planung, Finanzierung und Durchführung neuer "Geschäftsreisen". Beflügelt durch den royalen Zuspruch wuchs Francis Drake in der Tollkühnheit seines neuen Planes erneut über sich selbst hinaus. Seine neue Route sollte nämlich ums Kap Horn herum an die Westküste Südamerikas führen, um dort den ein oder anderen erfolgreichen und ertragreichen Schlag gegen die Spanier zu führen. Mit dabei war einer seiner Freunde, Thomas Doughty, der seineszeichens nicht nur Schößling eines Ministers der Königin- sondern auch hochgradiger Stinkstiefel war, hatte er doch nichts anderes zu tun, als nach einigen Stürmen und Passagen schlechten Wetters während der beschwerlichen Überfahrt der Mannschaft eine Meuterei vorzuschlagen. Lange Freundschaft kurzer Sinn: Als Profi in der Piratenbranche kann keine Rücksicht auf Freunde genommen werden, so dass Doughty ruckzuck seinen Kopf verlor als die südamerikanische Ostküste erreicht wurde. Getrieben aus neuem Mut oder aus der Verdrängung alter Zeiten und Erinnerungen nannte Drake kurzerhand sein Schiff in "Goldene Hirschkuh" (Golden Hind) um und fuhr bei extremsten Wetterbedingungen zur Westküste weiter. Wind und Wetter verliehen der Goldenen Hirschkuh letztendlich eine recht heruntergekommene Patina, so dass die Spanier alles außer Piraten auf dem Schiff erwartet hätten, als Francis Drake sich näherte. Diese Sorglosigkeit brachte einen erneuten Erdrutscherfolg und ein recht schnelles Ende des Überfalls mit sich, dem noch weitere folgten. Neben Schmuck und Reichtümern erhielten die Engländer allerdings auch Informationen über noch mehr Schmuck und Reichtümer. So beispielsweise über die "Nuestra Senora de la Concepcion", eine spanische Galeone die die Jahreserträge aller südamerikanischen Edelmetall- und Diamantenminen an Bord hatte. Gefundenes Fressen für einen Seeräuber von Drakes Kaliber, der sich nicht lange bitten ließ und Anfang März 1579 die "Senora" einholte. Auch ihr Kapitän ließ sich nicht lange bitten und ergab sich umgehend, woraufhin Drakes Männer mehrere Tage ein und aus gingen, um alle Schätze zu verladen. Mit der bis unters Dach gefüllten Hirschkuh schaffte Drake es anschließend tatsächlich unbeschadet nach England zu fahren, wo er im Spätsommer 1580 schließlich von der Königin persönlich auf der Themse mit dem Ritterschlag empfangen wurde.
Sir Francis Drake starb am 28. Januar 1596 als er erneut in der Karibik auf Kaperfahrt war. Unimposant eines natürlichen Todes.