RYMHART Troyer Wollmützen von RYMHART

PEILUNG und KREUZPEILUNG

Sie kennen bestimmt das Schlagwort, das Jugendliche nach dem Ende einer Mathematikstunde gerne und immer wieder in den Mund nehmen: "Das peil ich nicht!" oder "Von Mathe hab ich keine Peilung!" oder "Menschenskinder, was war ich heute wieder verpeilt!" Wie viele Begriffe, die mittlerweile im Alltag gebräuchlich sind, stammen auch diese Worte aus dem Jargon des Segelns. Es drückt aus, keine Ahnung zu haben in welche Richtung der Mathelehrer heute mit den Schülern wollte und wo diese gerade im mathematischen Raum stehe.

Auch beim Segeln können wir diese Intention des Mathelehrers durch Peilung erfüllen. Wir können durch sie feststellen, wo wir uns gerade befinden (Kreuzpeilung) oder welchen Kurs wir gerade fahren und auf welcher Standlinie sich unser Boot befindet (Peilung). Denken Sie an unseren Kompass, den wir auf der Seite "Seemeile" veröffentlicht haben. 0° / 360° zeigt immer nach Norden!

PEILUNG

Zum Durchführen der Peilung brauchen wir ein Objekt, das uns bekannt ist (welches wir also in der Seekarte identifiziert haben, wir müssen es nicht "persönlich" kennen) und unbeweglich ist. Wäre es nicht feststehend würden wir keine exakte Standlinie ziehen können, sie würde ständig variieren. Nun heben wir unseren Peilkompass (ein normaler Kompass tut es auch) mit ausgestrecktem Arm in Richtung des angepeilten Objektes und lesen die angezeigte Gradzahl ab. Ausgehend von dem angepeilten Objekt ziehen wir nun eine kurze Linie in der entsprechenden Gradzahl und verlängern diese Linie in die netgegengesetze Richtung (also auf See hinaus!). Diese eingetragene Linie ist die rechtweisende Peilung. Wir befinden uns irgendwo auf dieser Linie. Unbekannt bleibt bei dieser Peilung allerdings, auf welcher Höhe wir uns auf der Standlinie befinden. Das können wir höchsten Pi mal Daumen schätzen, eine sehr ungenaue und potentiell gefährliche Art der Standortbestimmung.

KREUZPEILUNG

Um nun unseren genauen Standort auf der durch Peilung ermittelten Linie zu erhalten, bedienen wir uns des einfachen Mittels der Kreuzpeilung. Wir ermitteln einfach unmittelbar nach der ersten Standlinie eine zweite Standlinie, die die erste gezwungenermaßen kreuzen muss. Wir sind ja immer noch am selben Standort, immer noch an Bord unseres Schiffes. Am besten eignet sich dafür ein zweites unbewegliches Objekt, das annähernd 90° vom ersten Objekt entfernt ist. Wir peilen dieses zweite Objekt also an, notieren uns kurz die Gradzahl, die der Peilkompass anzeigt, und tragen die rechtweisende Peilung, ausgehend von der angepeilten Landmarke, wieder in die Seekarte ein. Genau wie bei der Peilung wird diese Linie auf die See hinaus verlängert. Am Schnittpunkt der beiden ermittelten Linien befinden wir uns, "wir haben also eine Peilung wo wir sind!"

Da es allerdings beim Blauwassersegeln auf dem offenen Meer keine festen Anhaltspunkte gibt, die man zur Peilung hinzuziehen könnte, dient diese Methode der Standortbestimmung nur für die Küstennähe.

Bedenken Sie allerdings, dass Peilung und Kreuzpeilung nur mit Hilfe von Kompassen durchführbar sind, die alle den diversen Einflüssen und Gegebenheiten des Magnetismus unterliegen. Lesen Sie hierzu noch einmal unsere Artikel rechtweisend Nord, missweisend Nord und Magnetkompass Nord sowie den Artikel Beschickung von Kursen.