RYMHART Troyer Wollmützen von RYMHART

Das Manöver des letzten Augenblicks

Beim Segeln sind die Ausweichregeln klar geregelt. Sie sind in den Kollisionsverhütungsregeln, den KVR, formuliert und sind wichtiger Bestandteil der Prüfung zum Bootsführerschein. Die Fragen zum Thema Ausweichpflicht müssen allerdings auch in der Praxis aus dem F-F gekonnt werden. Nur durch ein fest verinnerlichtes basisverankertes Wissen der Kollisionsverhütungsregeln kann man schwere Unfälle und Havarien, die ein Boot in Seenot bringen verhindern.

Obwohl diese Regeln verinnerlicht sein sollte, kann jedoch nie ausgeschlossen werden, dass es nicht trotz allem zu brenzligen Situationen kommt, in denen eine Kollision nur knapp verhindert werden konnte. Sie kennen solche Situationen auch aus dem Straßenverkehr, wo jeder von uns schon einmal erlebt hat, wie knapp man gerade einem Unfall entgangen ist. Ein wichtiger Merksatz aus dem Straßenverkehr gilt auch für das Segeln: Egal ob man "Vorfahrt" hat oder nicht. Man muss immer für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken. Denken Sie einige Schritte voraus und versetzen Sie sich in die Skipper der anderen Segelboot hinein. Denken Sie, dass die Skipper die Situation so einschätzen wie Sie? Wie könnte er reagieren? Wie wird er wahrscheinlich reagieren? Mit Hilfe dieses alten Prinzips können viele Situationen, in denen es um ein Haar brenzlig geworden wäre, schon verhindert werden.

Sollte es jedoch trotz aller Vorsicht einmal zu einer Beinahkollision kommen, weil Ihnen als Kurshalter ein ausweichpflichtiges Schiff nicht ausweicht, schreiben die KVR das so genannte "Manöver des letzten Augenblicks" vor. Zuerst müssen Sie 5 kurze Schallsignale mit einer Pfeife abgeben. Dieses Schallsignal ist der sogenannte "Weckruf" mit dem ein ausweichpflichtiges Schiff auf seine Ausweichverpflichtung aufmerksam gemacht werden soll. Hat die Abgabe dieses Weckrufes keine Auswirkung, müssen Sie dann das Manöver des letzten Augenblicks durchführen. Das Manöver des letzten Augenblicks ist allerdings kein festes Manöver. Es besagt lediglich, dass Sie als eigentlicher Kurshalter so manövrieren müssen, dass es nicht zu einer Kollision kommt. Das Manöver des letzten Augenblicks besagt also, dass Sie als Kurshalter jetzt ausweichen müssen.

Um Unklarheiten zwischen den Skippern der beteiligten Yachten schon im Vorhinein zu vermeiden muss immer so gefahren werden, dass alle Verkehrssituationen klar erkennlich für alle Teilnehmer sind. Als Kurshalter müssen Sie so vor dem Manöver des letzten Augenblicks ihre Geschwindigkeit und ihren Kurs beibehalten, um das Ausweichpflichtige Boot nicht durch einen plötzlichen Kurswechsel o.Ä. zu überraschen. Natürlich behalten Sie das ausweichpflichtige Boot allerdings konzentriert im Auge und schenken ihm besonders viel Aufmerksamkeit, um unter Umständen mit dem Manöver des letzten Augenblicks rechtzeitig reagieren zu können. Auch das ausweichpflichtige Boot muss klar erkennbar manövrieren. So ist ein Ausweichmanöver klar zu erkennend und frühzeitig durchzuführen.