RYMHART Troyer Wollmützen von RYMHART

GRUNDLAGEN

Insgesamt sind alle Rechtsgrundlagen die beim Segeln relevant sind, und die auf

- der offenen, hohen See,
- den Deutschen Seeschifffahrtsstraßen
- und in der Emsmündung und der Ledamündung (beides Flüsse, im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, deshalb auch eine binationale Rechtsgrundlage)

gelten, in drei Bestimmungen formuliert.

A.) Kollisionsverhütungsregeln (KVR)

Auf der hohen See gelten die Bestimmungen der KVR. KVR ist die deutsche Abkürzung für "Kollisionsverhütungsregeln". Diese Verordnungen wurden 1972 ins Leben gerufen, mit dem Ziel eine einheitliche Grundlage für Ausweichregeln und Ähnliches zu haben, die von allen Staaten anerkannt wird, sodass Unfällen zwischen Schiffen unterschiedlicher Nationen vorgebeugt werden kann. Die Institution, die dieses Abkommen ins Leben gerufen hat, ist die "International Maritime Organisation", abgekürzt IMO. Sie unterliegt der UN und hat ihren Sitz in London. Diese Organisation sollten Sie sich merken, wenn Sie sich eingehender mit dem Thema Segeln beschäftigen wollen. Sie wird Ihnen auch bei anderen nautischen Themen, wie beim Funken des öfteren über den Weg laufen.

B.) Seeschifffahrtsstraßenordnung (SeeSchStrO)

Weltweit sind die Deutschen dafür berühmt, dass ihre Sprache unendlich lange Wörter produzieren kann. Denken Sie doch beispielsweise nur an das Spiel, das kleine Kinder gerne dazu nutzen sich mit einem herzlichen Lachen die Zeit zu vertreiben, in dem sie das Wort "Donaudampfschifffahrtskapitäinsgesellschaft" beliebig erweitern. So wird es in der restlichen Welt auch kaum ein anderes Wort beim Segeln geben, das so lang ist, wie der Name der Rechtsverordnung, die beim Befahren der deutschen Seeschifffahrtsstraßen zu beachten und anzuwenden ist.

Da der Sportbootführerschein- See nur innerhalb der 3-Meilen-Zone vorgeschrieben ist, sind die Führerscheinrelevanten Bestimmungen für ihn in dieser Bestimmung formuliert. 

C.) Schifffahrtsordnung Emsmündung (EmsSchO)

Nanu? Die Mündungsbereiche Ems und die Leda sind doch auch beide von Flüssen, die durch Deutschland fließen? Wieso gibt es denn hier eine andere Verordnung? Nun, wenn Sie auf einer Karte einmal die Flussverläufe dieser beiden Flüsse verfolgen, dann sehen Sie, dass sie im deutsch-holländischen Grenzgebiet in die Nordsee münden. Dies erforderte auch ein Übereinkommen der Gesetzgebung bzw. der Gesetzesgrundlagen. Dieses Abkommen wurde in der Schifffahrtsordnung Emsmündung (EmsSchO) formuliert und gilt seit dem 1. Oktober 1989. Der Geltungsbereich dieser Verordnung ist territorial stark begrenzt und endet bei den Städten Papenburg (Ems) und Leer (Leda).

Geltungsgebiete

Nachdem wir Ihnen nun die drei Rechtsverordnungen und ihre Geltungsbereiche vorgestellt haben, bleibt uns nur noch übrig dem letzten Rest Konfusion und Verwirrung vorzubeugen, wann genau welche Reglung in Kraft tritt und wann welche Regelung Vorrang hat. Auch hier ist die Hierarchie eigentlich ganz logisch. Sie erkennen eine Spezifizierung und Ausdifferenzierung. Angefangen bei der KVR, die weltweit gilt, über die Seeschifffahrtsstraßenordnung die in Deutschland auf den Seeschifffahrtsstraßen gilt, sowie die Schifffahrtsordnung Emsmündung, die auf der Ems und der Leda gilt. Diese Hierarchie gilt natürlich auch in den Geltungsbereichen. Die jeweils genauere Regelung gilt. Steht also die SeeSchStrO mit der KVR in Widerspruch, gilt die SeeSchStrO. Sagt die EmsSchO etwas anderes aus als die SeeSchStrO, dann gilt die EmsSchO usw,... .

Die hier vorgestellten Verordnungen sind nun alle relativ allgemein gehalten. Sie haben eine universelle Gültigkeit, müssen aber ab und zu an bestimmten Stellen bzw. Orten durch besondere Regelungen konkretisiert und ergänzt werden. Diese Ergänzugen werden "örtliche Sondervorschriften" genannt und werden von den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen Nord und Nord-West in entsprechenden Bekanntmachungen publiziert.

In der Seeschifffahrtsstraßenordnung und in der EmsSchEV, der Einmündungsverordnung zur Schifffahrtsverordnung Emsmündung, wird jeweils in §1 explizit definiert, welche Seegebiete und Gewässer Seeschifffahrtsstraßen sind. Denken Sie daran, dass dies maßgeblich entscheidend für den Geltungsbereicht Ihres Bootsführerscheins Sportbootführerschein- See und ihres Segelscheins bzw. Motorbootsführerscheins Sportbootführerschein- Binnen ist!! Lieber einmal zuviel lesen und sicher sein als ohne gültige Fahrerlaubnis von den Schifffahrtsbehörden erwischt zu werden!

In diesem Zusammenhang definieren die SeeSchstrO und die EmsSchO auch, was innerhalb dieser Seeschifffahrtsstraßen Fahrwasser sind. Das ist nämlich nicht das Selbe! Fahrwasser sind nämlich immer, im Gegensatz zu Seeschifffahrtsstraßen, durch Fahrwasserbegrenzungen  gekennzeichnet. Sie sind für den fließenden Seeverkehr und die durchgehende Schifffahrt bestimmt. Dies passiert auf dem Meer durch das laterale Betonnungssystem. Fährt man hingegen auf Flüssen müssen die Fahrwasser nicht mehr gekennzeichnet sein. Hier reicht es, wenn die Wasserflächen einfach nur als Fahrwasser deklariert sind.

Absatz 1

Eine Absatz jedoch wird sich in keiner der drei Rechtsgrundlagen widersprechen. Es ist gleich der erste Absatz, der besagt, dass es natürlich in keinster Weise zu Schädigungen, Gefährdungen, Behinderungen und Belästigungen kommen darf, dass der Seemannsbrauch und Vorsichtsmaßnahmen unbedingt eingehalten werden müssen und dementsprechend die Verkehrssicherheit und -leichtigkeit auf allen Seegebieten sichergestellt sein muss.

Vorfahrt im Fahrwasser

Im Fahrwasser gelten die selben Regelungen wie in jedem anderen Segelgebiet. Insbesondere sind so die Vorfahrtsregelungen quasi als heilige Schrift des Segelns und als unantastbare Vereinbarung zu achten. Sie gelten sowohl, wenn Sie innerhalb des Fahrwassers segeln oder unter Maschinenantrieb fahren, als auch beim Kreuzen des Fahrwassers, beim Einlaufen in das Fahrwasser, und beim drehen, wenden und halsen im Fahrwasser. Bachten Sie das Vorfahrtsrecht bzw. die Ausweichpflicht!

Gefahr des Sinkens im Fahrwasser

Wir können uns nun also denken, wie eminent wichtig das Fahrwasser für die Schifffahrt ist. Daher gelten hier auch bestimmte Vorgaben, die dazu dienen sollen, dass die Nutzung des Fahrwassers durch die Schifffahrt nicht (negativ) beeinflusst oder behindert wird. So soll versucht werden, sein Schiff aus dem Fahrwasser zu manövrieren, sobald es zu sinken droht. Aber Not kennt kein Gebot, stellen Sie fest, dass nichts mehr zu machen ist, dann sehen Sie zu, dass Sie mit heiler Haut davon kommen. Rechtliche und versicherungstechnische Auswirkungen können wir hier nicht aufzählen, aber zumindest würde mein persönlicher Rat so lauten.

Wenn Ihr Schiff einmal tatsächlich untergegangen sein sollte, egal ob im Fahrwasser oder nicht, haben Sie die Stelle, an der das gesunkene Schiff liegt, natürlich kenntlich zu machen. Irgendwie… werden Sie kreativ, aber machen Sie die Stelle kenntlich. Wie ein Warndreieck beim Autofahren für liegen gebliebene Fahrzeuge. Des Weiteren müssen Sie natürlich entsprechende Behörden informieren, damit das Wrack gegebenenfalls geborgen werden kann. Eine entsprechende Behörde wäre hier beispielsweise die Schifffahrtspolizei.