Sicherheitsmaßnahmen nach dem Kentern

Für viele die dieses Dossier jetzt lesen klingt die Überschrift schon wie eine Karrikatur auf Unfälle beim Segeln. Ist man gekentert braucht man keine Sicherheitsmaßnahmen mehr, da alle präventiven Sicherheitsmaßnahmen offensichtlich nichts bewirkt haben. Man liegt im großen Teich, ist patschnass, die Ehefrau nölt, das Kind findet es klasse und aufregend und quietscht sich vor Freude und Vergnügen über den unverhofften Badespaß die Seele aus dem Leib und der mitgenommene Chef ist gespannt auf ihr Verhalten in Stresssituationen und denkt gleichzeitig über die eben ausgesprochenen Aufstiegschancen in der Firma nach. Wir haben ja schon oft gesagt, dass die Kenntnisse, die man durch das Segeln erlangt, hilfreich und belesen in vielen Lebenssituation scheinen :-) Und sie sind nun derjenige, der als Skipper dafür sorgen muss, dass es auch nach dem Kentern zu einem Happy End des Segeltörns kommt, und keiner noch mehr zu schaden kommt als es bis dato schon passiert ist. Möglichkeiten hierfür gibt es viele. Erfrierungen, Erschöpfungszustände die einem das Schwimmen unmöglich machen, ein Mitglied der Segelcrew geht unter und keiner bemerkt es usw. usf.

Sie sehen also, dass es tatsächlich Sicherheitsmaßnahmen beim Segeln gibt, die man nach dem Kentern des Segelbootes kennen, können und beherrschen muss.

Die erste Grundregel lautet auch hier, wie bei so vielen anderen Situationen beim Segeln, Ruhe bewahren! Sie sind der ausgebildete Skipper und die Mannschaft Ihres Bootes ist auf Ihre Führungskraft und Entschlussfähigkeit angewiesen. Werden Sie nicht panisch, da sich so keine Probleme lösen lassen. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie mit wenig Aufwand schon für solche Situationen, zumindest theoretisch und rudimentär im Rahmen des Erwerbs des Segelscheins (bzw. Bootsführerscheins) Sportbootführerschein-See, ausgebildet sind.

Da wir davon ausgehen, dass im Falle eines kenterns rechtzeitig eine Notfallmeldung via Funk oder DSC- Controller abgesendet wurde, wissen wir, dass die zuständigen Rettungsinstitutionen die Koordinaten des Schiffes zum Unglückszeitpunkt erfahren haben. Dies ist eine der automatischen Informationen, die von einem DSC- Controller bei korrekter Programmierung (Koordinaten mindestens alle 30 Minunten aktualisieren!!) übersendet werden. Die Suchmannschaften werden also die Stelle ansteuern, die vom DSC- Controller übermittelt wurden. Daher ist es eine Verhaltensregel nach dem Kentern möglichst beim Fahrzeug oder der Sinkstelle zu bleiben.

Damit ferner kein Crewmitglied unbemerkt untergeht oder abtreibt, müssen Sie als Skipper die Besatzung zusammenhalten und im Auge behalten. Fordern Sie jedes Crewmitglied auf die anderen Mitsegler im Auge zu behalten!

Eine der Hauptgefahren nach dem Kentern ist, dass man unterkühlt. Dieser Unterkühlungsprozess kann durch ein bewusst kräfteschonendes Verhalten verlangsamt werden. Lassen Sie Ihre Kleidungsstücke an und ziehen Sie Ihre Beine zum Oberkörper! Gehen Sie also so oft wie möglich in "Hockstellung", da auch durch diese Verkleinerung der Körperoberfläche ein Wärmeverlust vermindert werden kann.

Last but not least sollte trotz aller kräfteschonender Verhaltensweisen Möglichkeiten ausgekundschaftet und ergriffen werden, wie man sich für benötigte Hilfeleistungen auf sich aufmerksam machen kann.