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BETONNUNG VON GEFAHRENSTELLEN, KARDINALSYSTEM

Nachdem wir uns schon im Artikel "Betonnung von Fahrwassern" mit den Grundlagen der Normalbetonnung auseinandergesetzt haben, kommen wir nun zum zweiten wichtigen Abschnitt des nautischen Betonnungssystems. Auch wenn es auf den ersten Blick zwar schwer und unübersichtlich scheint, was man beim Segeln alles beachten und neu lernen muss, werden Sie merken, dass auch beim Segeln alles nur von Menschen für Menschen gemacht worden ist. Haben Sie also keine Angst: Wenn Sie sich einmal mit der Materie angefreundet haben, werden Sie sich schnell auf dem Wasser zurechtfinden. Angst sollten Sie auch nicht vor den Gefahrenstellen haben, die beim Segeln unweigerlich auf Sie zukommen. Denn nun werden wir Ihnen darlegen, wie Gefahrenstellen markiert sind, und wie Sie sich beim umfahren der Gefahrenstellen verhalten sollten.

Was sind alles Gefahrenstellen?
Befassen wir uns zuerst mit der Fragen, wovon überhaupt eine Gefahr im Wasser für Sie ausgehen kann. Schon bei kurzem Überlegen werden Sie merken, dass die Hauptgefahr darin liegt, irgendetwas zu rammen und ein Leck zu bekommen, oder sich in Untiefen durch Grundberührung festzufahren. Solche Risiken gibt es nun einmal leider in den Küstengewässern und leider sind sie, anders als beim Autofahren, nicht mit bloßem Auge zu erkennen, da Sie oft unter der Wasseroberfläche liegen. Sandbänke und gesunkene Schiffe oder Gegenstände sind also überdauernde Gefahrenstellen, die, wenn sie bekannt sind, in Seekarten und durch Betonnung gekennzeichnet sind.

Wie sind Gefahrenstellen gekennzeichnet?
Diese Gefahrenstellen werden durch das sogenannte Kardinalsystem, eine Anordnung von 4 unterschiedlich gestalteten schwarz-gelben Tonnen, gekennzeichnet, die jeweils an der Nord-, Ost-, Süd- und Westgrenze der Gefahrenstelle aufgestellt sind. Innerhalb dieses Gebietes liegt die Gefahrenstelle, die Sie nicht passieren dürfen.
Die beiden Farben sind unterschiedlich angeordnet, so dass man erkennen kann, ob man die Tonne sieht, die die Nordgrenze, die Südgrenze, die Ostgrenze oder die Westgrenze der Gefahrenstelle markiert.  Zusätzlich haben die 4 Tonnen noch unterschiedliche Topzeichen (jeweils 2 Spitzen), die an der Spitze der Tonne installiert sind. Des Weiteren hat jede der vier Tonnen eine spezifische Befeuerung, so dass man auch nachts keine Angst haben muss eine Gefahrenstelle nicht zu erkennen. Lesen Sie sich hierzu vielleicht noch einmal den Artikel "Befeuerung" durch, um ihr Wissen über die unterschiedlichen Gruppen- und Feuerarten aufzufrischen.

Hier also die konkrete Beschreibung der Tonnen:

  • Nordtonne: Oben schwarz, unten gelb. Topzeichen: 2 nach oben gerichtete Spitzen. Befeuerung: Schnelles Funkelfeuer in weiß, durchgehend.
  • Südtonne: Oben gelb, unten schwarz. Topzeichen: 2 nach unten gerichtete Spitzen. Befeuerung: Schnelles Funkelfeuer in weiß, Gruppe 6
  • Osttonne: Oben schwarz, mitte gelb, unten schwarz. Topzeichen: 2 Spitzen, untere zeigt nach unten, obere zeigt nach oben. Befeuerung: Schnelles Funkelfeuer in weiß, Gruppe 3.
  • Westtonne: Oben gelb, mitte schwarz, unten gelb. Topzeichen: 2 Spitzen, untere zeigt nach oben, obere zeigt nach unten. Befeuerung: Schnelles Funkelfeuer in weiß, Gruppe 9


Neu entstandene Gefahrenstellen, die noch nicht in den Seekarten eingezeichnet sind, sind durch eine doppelte Betonnung gekennzeichnet. Jede der vier Tonnen ist zwei mal ausgelegt!


Wie interpretiert man die Gefahrentonnen in der Praxis?
Auch für diese Problematik, die sich beim Segeln bietet, können Sie sich mit einigen wenigen Eselsbrücken weiterhelfen. Betrachten wir zuerst die Farbgebung: Stellen Sie sich eine komplett markierte Gefahrenstelle vor, auf die die 4 Tonnen hinweisen (Siehe Skizze). An der Nordtonne ist die untere Seite gelb, an der Südtonne die obere. Auf einer zweidimensionalen Zeichnung zeigen die gelben Seiten also immer in den Innenbereich der Gefahrenstelle. Zugegeben, dass Sie diese Eselsbrücke bei den West- und Osttonnen nicht so einfach benutzen können. Hierfür kann eine zweite Eselsbrücke verwendet werden: Beachten sie die Topzeichen und stellen Sie sich einen Kompass vor. Bei der Nordtonne zeigen die Topzeichen nach oben. Auf einem Kompass ist Norden oben. Bei der Südtonne zeigen die Spitzen nach unten, dorthin, wo auf einem Kompass der Süden eingezeichnet ist. Bei der Osttonne zeigt die obere Spitze nach oben, die untere nach unten. Mit etwas Phantasie bilden die beiden Spitzen also ein O, die Kompassabkürzung für Osten. Nun, die Tonne, die in keines dieser Schemata passt, ist dann die Westtonne. Auch nachts können Sie eine Eselsbrücke mit Hilfe einer Analoguhr basteln. Auf dem Ziffernblatt der Uhr ist rechts die 3. Ein Gruppe- 3- Funkelfeuer (3 mal hintereinander - Pause etc.) kennzeichnet die Osttonne (Auf der zweidimensionalen Zeichnung liegt diese Tonne am rechten Rand der Gefahrenstelle). Unten liegt auf der Uhr die 6. Ein Gruppe- 6- Funkelfeuer (6 mal hintereinander - Pause) kennzeichnet die Südtonne. Sie wäre auf der Zeichnung unten eingezeichnet. Links auf dem Ziffernblatt liegt die 9. Ein Gruppe- 9- Funkelfeuer (9 mal hintereinander - Pause etc.) kennzeichnet die Westtonne. Sie wäre in der Zeichnung links. Oben auf der Uhr liegt die höchste Zahl des Ziffernblattes: Die 12. So hat auch die Nordtonne, die in der Zeichnung oben liegen würde, die höchste Anzahl an Funkelerscheinungen (ununterbrochenes Funkelfeuer).

Wo passiere ich Gefahrentonnen?
Da die Nord-, Ost-, Süd- und Westtonnen jeweils die äußeren Begrenzungen der Gefahrenstellen darstellen, passieren Sie Nordtonnen nördlich, Osttonnen östlich, Südtonnen südlich und Westtonnen westlich.